Die formelle Arbeitskleidung des Juristen ist die Robe, sie hat eine ehrenvolle Bedeutung. Die Amtstracht der Anwälte ist jedoch geraubt – jedenfalls rein linguistisch betrachtet.

Wir wollen den Dieb überführen und forschen nach: uns ist dabei aufgefallen, dass nicht nur Juristen eine Robe tragen, sondern auch geistliche Herren oder Damen in Festkleidung wie in Form eines modischen Abendkleides. Wir schauen darum nach Paris. Paris ist die Hauptstadt der Haute Couture und Modemacher und könnte der Ausgangspunkt der Robe sein. Wenn wir dort den Ursprung fänden, dann hätten die Deutschen das Wort vom französischen „la robe“, übernommen und der Dieb wäre überführt. In Frankreich beschreibt „la robe“ nämlich nicht nur Abendkleider, sondern auch Kleidung für den Alltag. Haben die Deutschen das Wort geklaut?

Nein! Nach linguistischer Aktenlage ist es umgekehrt. Robe ist ein Wort aus dem deutschen Sprachschatz, welches die Franzosen den Deutschen vor langer Zeit klauten. Einst rissen die Krieger ihren getöteten Feinden die Kleider vom Leib. Bekleidung, Schuhwerk und Rüstung war der Hauptteil ihrer Beute. Das althochdeutschen Verb „rouban“ (gebildet aus „rouba“) umschreibt dieses losreißen oder gewaltsame herunterreisen der Kleidung. Daraus entstand das altfränkische Wort „rauba“, das bedeutete soviel wie Raub, Diebstahl, Plünderei und Entführung. Das heutige Wort „Robe“ stammt von „rauba“ ab. Die erbeutete Kleidung war die Trophäe des Siegers und kennzeichnete ihn als Gewinner. Was für uns heute barbarisch klingt, hatte für damalige Verhältnisse eine gewissermaßen noble Bedeutung. Diese ehrenvolle Bedeutung hat die Robe behalten.

Übrigens, sollte mal wieder jemand auf die Idee kommen, Kleider zu rauben, so gibt es heute die Garderobe. Die „Garderobière“ ist nämlich buchstäblich die Leibgarde der ihr anvertrauten Kleidungsstücke.

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